Königlicher Besuch auf den Färöern

Mary stjól myndina allastaðni

„Mary stahl überall die Show”, schrieb eine färöische Zeitung in ihrem Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 2005. Tatsächlich verstand Kronprinzessin Mary es, die Herzen der Färinger, vor allem der Kinder, zu gewinnen. Sie und ihr Mann, Kronprinz Frederik, waren es, denen nicht nur die Färinger, sondern auch die zahlreich angereisten Journalisten, auf Schritt und Tritt folgten, wohin auch immer die beiden gingen.

Nach dem letzten Besuch des dänischen Königspaares im Sommer 2000 waren Königin Margarete II mit Prinzgemahl Henrik am Montagmorgen des 20. Juni 2005 wieder mit der königlichen Yacht „Dannebrog“ auf die Färöer gekommen, aber dieses Mal in Begleitung des Thronfolgerpaares. „Tey Kongaligu“ (Die Königlichen) besuchten verschiedene Orte auf den Färöern, von Vágur auf Suðuroy bis Viðareiði im äußersten Nordwesten. Auch eine Fahrt durch den noch nicht offiziell freigegebenen Tunnel nach Gásadalur und eine Besichtigung des neuen Nordinseltunnels gehörten zum Programm. Die geplante Fahrt nach Mykines musste jedoch wegen schwerem Seegang ausfallen. Das Reiseprogramm war mit Empfängen und Besichtigungen reichlich gefüllt. Der Empfang der „Königlichen“ durch die färöische Bevölkerung war überall sehr herzlich. Und so hing in Sandur an der Tür der einzigen Bäckerei der Insel ein Schild: „Wegen des königlichen Besuchs bleibt der Laden von 9 bis 11 Uhr geschlossen.“

Am 23. Juni, 17 Uhr, reisten „die Königlichen“ wieder ab, diesmal aber vom Flughafen Vágar.

Zu dem begeisterten Empfang durch die Bevölkerung schrieb ein färöischer Kommentator unter der Überschrift „Føroya Drottning“ (Die Königin der Färöer) Folgendes:
„Den Preis für die beste Leistung zur Förderung des Interesses an den Färöern im Ausland erhält in diesem Jahr Königin Margarethe. In dänischen Illustrierten und dänischen Nachrichtensendungen bewegen sich die Mitglieder der königlichen Familie in (färöischer) „Nationaltracht“ (nicht in „Volkstracht“). Die Königin hält eine Rede auf Färöisch, und der Kronprinz sagt, er wolle Färöisch lernen. Gewöhnlich bekommen die Dänen nicht viel über die Färöer mit, aber diesmal prägt sich ins Gedächtnis ein, dass die Königin offiziell nicht nur dänisch, sondern multiethnisch ist.

Das ist nichts Neues. Der dänische König war es gewohnt, mit seinen Untertanen in den Herzogtümern
(Schleswig und Holstein) südlich von Dänemark auf Deutsch zu verkehren, und er war Reichsoberhaupt, wie es hieß, „in allen unseren Reichen und Landen“. Unsere Bindung an das Königshaus ist älter als unsere Bindung an Dänemark, und es waren historische Zufälle - dass das norwegische Königshaus den dänischen Thron erbte und später Norwegen verlor - die zum bestehenden Reichsstatus führten.

Es ist deutlich, dass viele Färinger dem Königshaus treu sind und es lieben. Die Färinger haben in der Vergangenheit Vertrauen zum König gehabt, und während wenige beim Tode des Fúti
(oberster Richter und Polizeichef der Färöer) trauern, freuen sich wohl viele über die Monarchie. ...“

 

Ist Gott Tjóðveldisanhänger?

Für den einzigen Missklang in der heiteren Atmosphäre während des königlichen Besuchs sorgte das färöische Wetter. Es präsentierte sich von seiner unfreundlichsten Seite. Nicht nur das! Sogleich, nachdem die königliche Yacht „Dannebrog“ die färöischen Gewässer verlassen hatte, schlug das Wetter um und ließ nichts mehr zu wünschen übrig. Das veranlasste einen Einwohner von Hvalvík in einem Leserbrief an die beiden Tageszeitungen Dimmalætting und Sosialurin zu folgenden bemerkenswerten Überlegungen:

„Während die Königin und Co. die Färöer besucht haben, hat der Regen wie Pisse geströmt und es hat so stark gestürmt, dass die Königin mehrere Male Hut und Brille verloren hat, Marys Wimperntusche ruiniert wurde und Henriks und Frederiks Ordenslametta in einen undefinierbares Durcheinander verwandelt wurde. Unser Herr hat das Land mit Feuer und Skorpionen gezüchtigt, während Høgni gemütlich im Trockenen sitzen und maulen konnte, ohne sich eine Erkältung zu holen. Sobald „Dannebrog“ die Trossen losgeworfen hatte, ließ Gott wieder sein mildes Antlitz über die Inseln strahlen und ließ die Sonne von einem wolkenlosen Himmel scheinen., so dass Høgni wieder hinaus an die frische Luft kommen konnte, ohne royale Beleidigungen ertragen zu müssen. Ein Zeichen von oben, das selbst den abgeschlafftesten Sambandsanhänger dazu bringen müsste, dass er beim Wasserlassen brennende Schmerzen empfindet.“

Er drotningin farin út um mark?

Ist die Königin zu weit gegangen? So lautete in einer färöischen Tageszeitung die Überschrift des Berichts über die Rede der Königin auf dem offiziellen Empfang am Abend des 20. Juni 2005 im Nordlandhaus.

Offizielle Reden bei Staatsbesuchen und dergleichen nehmen die Zuhörer gewöhnlich mit jener distanzierten Aufmerksamkeit zur Kenntnis, die den darin enthaltenen freundlichen Unverbindlichkeiten angemessen ist. Königin Margarethe dagegen gelang es, mit ihrer Rede wirkliche Aufmerksamkeit zu erregen. Sie sagte u. a. Folgendes:

„Der Wunsch und der Wille des färöischen Volkes, sich voll und ganz um die Entwicklung des Gemeinwesens zu kümmern, hat soeben in einer neuen gesetzlichen Grundlage für das Verhältnis zwischen den Färöern und Dänemark seinen Ausdruck gefunden. Die neue Ordnung beruht auf einem Abkommen zwischen der Landesregierung der Färöer und der dänischen Regierung, das es ermöglicht, dass die färöischen Behörden, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, nach und nach sämtliche Angelegenheiten und Aufgabenbereiche auf den Färöern übernehmen können. Diese weitreichende Neuordnung spiegelt mehr als irgendetwas anderes die engen historischen und kulturellen Verbindungen zwischen den Färöern und Dänemark wider. Sie beruht auf dem Bewusstsein für die gemeinsame Achtung für die grundlegenden Werte und Rechtsprinzipien, die ein wesentliches Element in dem Gefühl der Zusammengehörigkeit darstellen, das uns in der Reichsgemeinschaft verbindet.“

Und auf Färöisch fuhr die Königin fort:

„Avbjóðingar tróta ikki, hvørki nú í dag ella í tíðini, sum kemur. Eitt nýtt grundstøði til at útbyggja viðurskiftini millum Føroyar og Danmark er júst vorðið til. Gævi tað eydnast Føroyum og Danmark í felag at byggja á hetta grundstøðið, so at tey skyldskaparbond, sum binda okkum saman, framvegis mega verða sterk.“
(„Herausforderungen enden nicht, weder heute, noch in der Zukunft. Eine neue Grundlage für den Ausbau der Beziehungen zwischen den Färöern und Dänemark ist soeben entstanden. Möge es den Färöern und Dänemark gelingen, gemeinsam auf dieser Grundlage aufzubauen, so dass die Verwandschaftsbande, die uns verbinden, weiterhin erstarken können.“)

Diese beiden Passagen in der königlichen Rede fanden ein lebhaftes, aber unterschiedliches Echo, je nach dem politischen Standort derer, die dazu Stellung nahmen. Die Skala reichte von Zustimmung bei Sambandsflokkurin über verhaltene Kritik bei Fólkaflokkurin und Sjálvstýrisflokkurin bis zu entschiedener Ablehnung bei Tjóðveldisflokkurin.

Die Königin habe sich vom dänischen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen für seine politischen Ziele einspannen lassen, und das zeuge von schlechter Beratung der Königin durch das Ministerium des Regierungschefs, lautete die Kritik von Høgni Hoydal, dem Vorsitzenden von Tjóðveldisflokkurin. In der Pressekonferenz am Ende des Besuches antwortete die Königin auf diesbezügliche Fragen: „Ich habe meine Rede im Nordlandhaus gehalten, und ich hätte mich auch nicht anders geäußert, wenn ich die Reaktion auf meine Rede gekannt hätte. Ich bedauere nichts von dem, was ich gesagt habe.“

Die Königin bezog sich in ihrer Rede nur auf Beschlüsse, die sowohl vom Lögting als auch vom dänischen Folketing mit deutlicher Mehrheit gefasst worden waren. Natürlich kann man auch nachträglich über Parlamentsbeschlüsse geteilter Meinung sein. Worüber die Königin denn sonst hätte reden sollen, fragte ein färöischer Leserbriefschreiber. Etwa über Fullveldi (Unabhängigkeit)? Und fügte hinzu: „Wenn die Königin nur über das hätte reden sollen, worüber alle Färinger sich einig sind, dann wäre der Färöerbesuch der königlichen Gäste erschreckend schweigsam verlaufen.“

Høgni Hoydal setzte seiner Kritik an der Rede der Königin noch eins drauf, indem er die königliche Einladung zu einem Abendessen an Bord der „Dannebrog“ als einziger der Eingeladenen dazu nutzte, sich medienwirksam in Szene zu setzen - durch eine Absage.

Detlef Wildraut

Aus: TJALDUR, 35/2006, S.88-90

Zu den anderen Artikeln