Fix fort -

Freude am Fliegen?


Fliegen kann Freude machen, aber auf der Strecke Dänemark - Färöer, wo bis vor kurzem diese Boeing 737 eingesetzt wurde, kommt nicht immer Freude auf:
Der Landeanflug auf dem Flughafen von Vágar gilt als einer der schwierigsten weltweit!

    Detlef Knop:

    Von einem, der auszog, das Fliegen zu lernen

    Jürgen B. aus Tübingen hatte Erfahrung im Fliegen. Ich lernte ihn und seine Frau am Flughafen in Stavanger kennen.
    Und das kam so:
    Jürgen B. hatte auf der ITB (Internationale Touristikbörse) in Berlin - auf der Suche nach immer neuen, vielleicht auch "ausgefalleneren" Zielen von der Möglichkeit erfahren, die Färöer zu besuchen. Zuvor war er schon, wie er mir später erzählte, in Sri Lanka, Thailand, auf den Malediven, in Bali - und was weiß ich sonst noch - zu Besuch gewesen. Doch diesmal sollten es eben die Färöer sein.
    Aber wie konnte ich - trotz meiner inzwischen schon 50 Lebensjahre in fliegerischer Hinsicht recht unerfahren - ihn dann ausgerechnet auf einem abgelegenen Provinz-Flughafen treffen?
    Ganz einfach: Die Boeing 737 der Mærsk Air (Abflug Samstag, 29.Juli 1995, 12.15 Uhr ab Billund) war dort - und nicht auf dem Flughafen auf Vágar gelandet! Er zuckte mit den Schultern und sagte: "Dann nehmen wir auf unserer Tour halt auch noch Norwegen mit!"
    Doch es sollte noch "besser" kommen: Die Maschine hebt um 16.20 Uhr wieder ab und landet in - Kopenhagen !
    Die Mærsk Air spendiert ein Abendessen im Wert von 124 Kronen, und um 20.30 Uhr geht es endlich wieder los, Kurs Nord-West. Über dem Atlantik empfängt uns wieder eine dicke Wolkendecke, die nichts Gutes ahnen lässt.
    Im Luftraum über den Fär öern kreisen wir dann, wie schon zuvor, etwa eine Stunde lang, bis der Flugkapitän auf Dänisch und Englisch mitteilt: "Eine Landung ist nicht mehr möglich, da der Flughafen auf Vágar wegen schlechter Sichtverhältnisse geschlossen wird." Unmut zeigt sich, vor allem bei einem Fisch-Großhändler aus Hull in Nordengland, der dringend nach Tórshavn muss. Bei einem Geschäftsmann nur allzu verständlich !
    Die Färinger hingegen nehmen es eher gelassen, sie kennen anscheinend, was jetzt kommen wird: Unterbringung im Hotel "Dan", natürlich auf Kosten der Fluggesellschaft. Am anderen Tag würde es dann schon weitergehen.
    Der nächste Tag, es ist ein Sonntag, beginnt mit einem versöhnlich stimmenden Frühstück, das Buffet ist recht reichhaltig. Auch das Mittagessen kann sich am gehobenen Standard messen lassen. Und dann kommt auch noch das Abendessen.
    Zum Glück habe ich mein Faltrad dabei, das ist so ein Ding, das man in eine Tasche packen kann, und bei Bedarf entspricht es (fast) einem vollwertigen Fahrrad. Damit kann ich bei strahlendem Sommerwetter eine Sightseeing-Tour durch "Wonderful Copenhagen" unternehmen und feststellen, daß man in Metropolen durchaus komfortabel Radfahren kann - vorausgesetzt, die Stadtplaner haben auch an die "Pedalritter" gedacht. In Kopenhagen ist das offensichtlich so.
    Die anderen Fluggäste, die zum Teil den ganzen Tag im Hotel herumgelungert haben, geben auch allmählich ihren Gleichmut auf. Vor allem der Fischhändler stöhnt: "Wäre ich doch von Glasgow aus mit Icelandair geflogen", und Jürgen B. meint:
    "Wir hätten schon längst in Bangkok sein können."
    Aber endlich, um 20.30 Uhr, kommt der Bus, der uns wieder zum Flughafen bringen soll. So weit - so gut. Doch dort angekommen müssen wir wieder warten, und zwar fast drei Stunden. Als letzte Maschine des Tages verläßt dann "unsere" (ja, wir fühlten uns mittlerweile fast verwachsen mit ihr) Boeing 737 Kastrup Airport, mit ungewissem Ausgang.
    Zwei Stunden später: der gleiche Vorgang wie bei den vorigen Malen; Kreisen - Warten - Abdrehen! Nun ist der Unmut unübersehbar. Die Crew entschuldigt sich und verweist auf nähere Auskünfte durch das Personal in Kopenhagen.
    Dort gelandet, es ist schon 4.30 Uhr geworden, macht man uns drei Vorschläge, inzwischen spricht man allerdings nicht mehr Englisch. Eine freundliche dänische Familie erläutert uns (dem englischen Fischhändler, dem Ehepaar aus Tübingen und mir):
    1. Sie können aufgeben -
    2. Sie können auf die nächste planmäßige Linienmaschine der Mærsk, Abflug 9.15 Uhr, umbuchen -
    3. Sie können noch einmal auf Kosten der Fluggesellschaft ins Hotel, dort wird man Ihnen gegen Mittag sagen, wie es weitergehen soll.
    Der Fischhändler wagt es, nachzufragen, ob nicht eine Umbuchung auf Atlantic Airways möglich sei, die seien wahrscheinlich erfolgreicher. Er erntet nur böse Blicke.
    Das Ergebnis des Angebotes: Die dänische Familie entschließt sich, aufzugeben.
    Die Färinger lassen sich noch einmal ins Hotel bringen und buchen auf die 9.15-Uhr-Maschine um.
    Wir "Ausländer" wollen auch nicht aufgeben und entschließen uns für den nächsten Linienflug; bloß bleiben wir auf dem Flughafen, immerhin ist es nunmehr fünf Uhr in der Frühe, und wir meinen, daß es sich nicht lohne, noch einmal ins Hotel zu gehen.Die Zeit wird uns dann aber doch lang. Frau B. kommt auf die Idee, die Tretroller des SAS-Personals zu nutzen und Slalom damit zu fahren. Das geht ganz prima, denn der Flughafen ist fast ausgestorben - nur wir vier sind noch dort.
    Schließlich versuche ich, es mir auf den Sitzen irgendwie bequem zu machen - und endlich gelingt es mir, ich schlafe ein.
    Als ich aufwache, ist es etwa 8 Uhr, und vor mir steht eine lange Schlange von Touristen, die nach Santorin abgefertigt werden wollen. Aber dahin will ich nicht. Flugs suche ich das richtige Tor und treffe dort die übrige Reisegesellschaft wieder. Nach dem Einchecken müssen wir dann wieder warten.
    Zum wievielten Mal eigentlich? Es ist mittlerweile 9.15 Uhr geworden, und nichts tut sich. Um 9.45 soll die Maschine der Atlantic Airways fliegen. Ob die es wohl eher schaffen? Doch genau um diese Zeit setzt sich unsere Boeing in Bewegung, startet in den prächtig blauen Himmel, nimmt Kurs auf Jütland, fliegt über Fjell und Fjorde im Westen Norwegens und wendet sich dann unserem ersehnten Ziel zu. Dort lagert immer noch eine dichte Wolkendecke, aber ab und zu gibt sie auch Löcher preis. Schließlich dreht die Maschine eine scharfe Kurve und setzt zur Landung an. Endlich doch geschafft !
    Jürgen B. läßt sich vom Beamten an der Passkontrolle ein Visum geben, obwohl er das gar nicht braucht - aber er sammelt ja dergleichen, und auch ich lasse es mir in mein Dokument drücken - schließlich ist die Anreise "exotisch" genug gewesen !
    Ich rechne nach: Abflug in Billund am Samstag um 12.15 Uhr, Ankunft in Vágar montags darauf um 11, das macht ziemlich genau 48 Stunden. Davon haben wir rund 18 Stunden im Flugzeug verbracht, bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von fast 700 Stundenkilometern kommen dabei etwa 12 000 Kilometer Flugstrecke zusammen. Ob da die Gesellschaft auf ihre Kosten kommen konnte?
    Allein das Zimmer im Hotel "Dan" kostete 895 Kronen für eine Nacht (wenigstens laut Preisaushang im Wandschrank), und ich hatte doch nur 1670 Kronen für den Flug bezahlen müssen (die Kreditkartengesellschaft berechnete mir dafür später 438,43 DM).
    Jedenfalls war ich froh, endlich angekommen zu sein. Obwohl ich glaubte, mittlerweile das Fliegen gelernt zu haben, nahm ich mir für die Rückreise doch etwas ganz anderes vor, nämlich aufs Geratewohl mit der "Smyril" der Strandfaraskip Landsins via Schottland und mit der Eisenbahn nach Hause zu fahren.
    Dafür sollte ich dann - wohlgemerkt: bis zur Haustür! - 49 Stunden benötigen und somit schneller sein, als auf der Hinreise per Flugzeug!