Die Färöer - Land und Leute

[Landkarte der Färöer]

Die Färöer

(= Schafsinseln) bilden eine Inselgruppe im Nordatlantik, etwa auf halbem Wege zwischen Schottland und Island. In vielen Atlanten bzw. auf Landkarten findet man den Zusatz "dän.", was darauf hinweisen soll, dass die Färöer wohl zu Dänemark "gehören". Das ist aber nur ganz bedingt richtig. Mehr dazu weiter unten.

Von den 18 Inseln sind 17 bewohnt, und zwar die 14 auf der Karte links namentlich erwähnten nebst Hestur (westlich von Kirkjubøur) sowie die beiden Inseln Kóltur (südöstlich von Miðvagur) und Stóra Dimun (nordöstlich von Tvøroyri)auf denen nur je eine Familie lebt.

Wer vor allem touristsich interessiert ist, sollte unbedingt die Seiten des färöischen Verkehrsbüros studieren. In Ergänzung dazu lohnt es sich jedoch auch, selbst wenn die dortige Informationen schon etwas älter und zum großen Teil überholt sind, die Homepage von Michael Becker aufzusuchen.


Das Parlament der Färöer, der "Løgting", gilt als die älteste Volksvertretung Europas. Und die Färinger sind stolz darauf, Nachfahren freier Bauern zu sein, die vor der Zwangsunterdrückung in Norwegen auswichen und so schon immer ihre Freiheit gesucht zu haben. So verstehen sie sich auch als Angehörige einer eigenen Nation in der "Reichsunion" mit Grönland und Dänemark, das sie "auf der Weltbühne" vertreten soll, gehören aber nicht der EU (Europäischen Union) an.

Dennoch ist eine gewisse Bezogenheit auf Dänemark unverkennbar, vor allem wohl deswegen, weil aus Kopenhagen jedes Jahr eine erhebliche Finnzspritze als sogenannte "Blockzuweisung" an den färöischen Haushalt erfolgt, und darauf wollen die Färinger wohl nicht verzichten.

Als Volk sind die Färinger auch stolz auf ihre gewachsenen Kultur, die sich vor allem in einer eigenen Sprache (in einigen Lexika fälschlich als "Mundart" bezeichnet) wurzelt, sie über Jahrhunderte in sogenannten "Kettentänzen" weitergegeben und gepflegt wurde. Aber auch andere Traditionen sollen die Eigenständigkeit unterstreichen, wie etwa der Grindwalfang, an dem die Färinger trotz weltweiter Proteste festhalten (wollen). Und nicht zu vergessen: wer eine Nation sein will, muss auch im Sport eine Nationalmannschaft haben - und im Fußball haben es die Färöer so weit gebracht, dass man sie nun zumindest überall in Europa kennt und respektiert.

Die Erfolge im Fußball ändern aber nichts daran, dass der eigentliche "Nationalsport" das Rudern ist; die Regatten werden in originalen färöischen Booten ausgetragen, die die gleiche Bauweise haben wie die vormaligen Wikingerschiffe.

Die Bevökerung ernährt sich hauptsächlich aus Erlösen der Fischerei, die vormals vorherrschende agrarische Struktur ist nur noch in den kleinen Dörfern fernab der Hauptstdt Tórshavn erkennbar; hier ist auch eine Landflucht festzustellen, der die färöische Regierung mit dem Bau eines leistungsfähigen Straßennetzes zu begegnen versucht. Zu diesen "Außenposten" gehört auch der Ort Gjógv (sprich: dscheggf) hier aus einem eher ungewöhnlichen Blickwinkel fotografiert:

[Gjógv]

Der Name diese Ortes leitet sich aus einer für die Färöer typischen Landschaftsform her: einer tiefen Spalte, von den Färingern eben "gjógv" genannt. Auf dem Foto ist sie in der unteren Hälfte erkennbar. Sie zieht sich vom Dorf bis in das Meer und bildet somit eine geschützte Hafeneinfahrt. Diese Spalten sind dadurch entstanden, dass das weichere Tuffgestein, das immer wieder zwischen den Basaltlagen auftritt, erosionsbedingt "ausgewaschen" wurde. Dies ist auch ein Hinweis darauf, dass die Färöer -geologisch gesehen - vulkanischen Ursprungs sind.

[Kirkjubøur]

Auf dem Bild ist im Hintergrund übrigens sehr gut der "Schichtaufbau" der Färöer erkennbar: eine Lage Basalt wechselt jeweils mit einer Lage Tuffgestein ab. Der härtere Basalt setzt sich durch und bildet die markanten Felsformationen.

Rechts eine Ansicht auf den Ort von Südosten aus; im Hintergrund ist die eigenartig geformte, vorübergehend unbewohnte Insel Koltur (= das Fohlen) zu sehen.

Unweit der Hauptstadt Tórshavn, an einer Stelle gelegen, wo gelegentlich Treibholz anlandet, liegt Kirkjubøur (sprich: tschirsch-tschuböwur), das politische kulturelle Zentrum der Inselgruppe während des Mittelalters. In der Mitte des oberen Bildes entdecken wir die Ruine einer nie vollendeten Kathedrale, die der ehrgeizige Bischof Erlendur den Bauern in dem dünn besiedelten Land abtrotzen wollte.

Die weiße Kirche rechts davor gilt seit der Reformation als die wichtigste auf den Färöern.
Das Gebäude links mit den Grasdächern gehören zu einem "Königsbauernhof" mit einem Wohnhaus ganz aus Holz.
Es gilt als ältestes Blockhaus Europas - es wird seit über 1000 Jahren bewohnt!


[Funningur]

Im Norden von Eysturoy (sprich: essturoi ), der zweitgrößten Insel des Landes, befindet sich der kleine Ort Funningur. Hier sollen norwegische Wikinger zuerst an Land gegangen sein, als sie auf der Flucht vor der Unterdrückung in ihrer Heimat eine neue Zukunft in Freiheit suchten.

Hinten links türmt sich das Massiv des Slættaratindur (sprich: ßlattaratindur), mit 882 Metern der höchste Berg des Archipels. Von seiner Kuppe aus hat man, sofern - wie es leider oft vorkommt - kein Nebel herrscht, eine atemberaubende Rundsicht, zumal auf den Färöern kein Baum den Blick in die Weite stört.

Vorn erkennt man einen "Varði", einen (steinernen) "Wächter", der den Bewohnern bis in die Mitte des vorigen jahrhundert den Weg wies - Straßen gab es oft, wie hier bei Elduvík, noch nicht. Alle Lasten mussten mit der Kiepe ("Leypur") getragen oder in (meist) Ruderbooten transportiert werden.


Die bedeutendsten Reste aus der Wikingerzeit sind in dem Ort Kvivík zu finden (auf dem Bild hier nicht zu sehen).
In der Nähe von Kvivík endet seit dem Jahre 2003 auch der Unterseetunnel von der Insel Vágar, wo sich der Flughafen der Färöer befindet, nun braust also der Hauptverkehr zur Hauptinsel Streymoy an Kvivík vorbei, und nur noch Besucher, die nach Vestmanna zu den berühmten Vogelfelsen Vestmannabjørgini wollen, halten vielleicht oberhalb des Dorfes auf der Umgehungsstraße für eine kurze Rast an.

[Kvivík]


[Trøllanes]

Die Insel Kalsoy, wegen seiner Kette von Straßentunneln scherzhaft "Blockflöteninsel" genannt, gehört zu den Nordinseln und man konnte sie bis vor kurzem nur zu Fuß, mit dem Bus oder per Rad erkunden. Jetzt verbindet eine Autofähre die Insel mit Klaksvík, das man nur auf einem mautpflichtigen Unterseetunnel erreicht.

Bis zum Ort Trøllanes (sprich: tröddlane:s) sind dann vier Tunnel zu durchqueren. Dafür bieten sich dann von hier aus fantastische Ausblicke auf die höchsten Kaps der Welt: den Kunoyarnakkur (820 Meter hoch, im Mittelgrund) und den Enniberg (750 Meter hoch, im Hintergrund - vom Nebel eingehüllt).

Zum Vergleich: Das vielgerühmte Nordkap und "Muss" vieler Nordland-Touristen, misst eine Höhe von lediglich 307 Metern !

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